Eine Klassifizierung und Analyse von Musikvideos gestaltet sich schwieriger als sie zunächst erscheint. Das liegt zum einen natürlich daran, dass das Musikvideo ein relativ junges Medium ist und einen eigenständigen Charakter hat, d. h. nur schwer mit anderen Genres zu vergleichen ist. Daneben sind Musikvideos einem ständigem Wandel unterworfen, genau wie sich auch die Popkultur ständig wandelt. Ferner ist das Musikvideo in sich außerordentlich vielschichtig. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass das Genre sehr viele geisteswissenschaftliche Fachrichtungen anspricht (z.B. Musik-, Medien-, Film-, Theaterwissenschaft, (Musik-) Pädagogik, Psychologie, Soziologie) und damit letztendlich nur interdisziplinär untersucht werden kann.
Das Anfang der 90er Jahre von Michael Altrogge entwickelte Modell zur Klassifizierung von Musikvideos ist mittlerweile Standard bei der Analyse von Musikvideos geworden und wird auch im musikindustriellen Bereich genutzt. Als Grundprinzip wird die Dualität zwischen Performance und narrativen Strukturen bzw. deren Vermischung eingeführt. Davon ausgehend wird keine strikte Klassifikation vorgenommen, sondern es wird ein Modell präsentiert, in dem die in Musikvideos vorkommenden Darstellungsebenen definiert werden (z.B. ,,Konzept``-Performance).
Es wird der Grundtyp einer solchen Ebene bestimmt, welche dann noch in verschiedene Subebenen unterteilt werden kann. Bei Ebenen mit narrativem Charakter (Konzept) kann noch zwischen narrativer (fragmentarische oder fortlaufende Geschichte in der jeweiligen Ebene), illustrativer (textabhängige Visualisierung) und situativer (relativ textunabhängige Visualisierung) Ausprägung unterschieden werden. Häufig kommen in einem Musikvideo viele verschiedene Ebenen vor, die dann so bestimmt werden können.
| 1. Performance | 2. Konzept | |||||||||||||
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Das Modell von Springsklee wird heutzutage nur noch als zeitbezogener Versuch der Klassifizierung von Musikvideos angesehen. Es geht zwar auch von der Dualität von Performance und narrativen Strukturen aus, jedoch wird dann in strikte Kategorien unterteilt. Diese sind so eng gefasst, dass die meisten Musikvideos nicht eindeutig klassifiziert werden können, da oft verschiedene Kategorien (in den Ebenen) in einem Clip auftauchen. Außerdem sind die Bezeichnungen der einzelnen Kategorien (v.a. Art- und Effekt-Clip) problematisch. Altrogges Modell ist also realitätsnäher und orientiert sich an der Praxis bei der Produktion von Musikvideos, verschiedene Darstellungsebenen zu verwenden (z.B. Parallel-Schnitt). Trotzdem löst auch Altrogges Modell nicht das Problem der Klassifizierung von Musikvideos, da die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen, die Altrogge anbietet, fließend sein können.
Praktisch anwenden konnten wir das neue Wissen ganz einfach durch - Musikvideos anschauen! Wir übten also am ,,lebenden Objekt``, die verschiedenen vorkommenden Elemente eines Clips zu erkennen und einzuordnen.