In Pawels Zimmer ist es schon dunkel. Krzysztof macht die Tür etwas auf.
Er spricht leise und hört eine leise Antwort.
Krzysztof betritt das Zimmer. Gleich über dem Bett hat Pawel seine neuen Schlittschuhe aufgehängt. Das Licht der Straßenlaterne reflektiert auf dem Metall, und wenn Pawel die Schlittschuhe leicht bewegt, tanzen auf der Wand schmale Lichtfäden. Krzysztof und Pawel sprechen leise.
Pawel zieht seine Bettdecke etwas zurück. Neben ihm auf dem Kopfkissen liegt sein Bär.
Schönes, sonniges Wetter. Glänzendes Eis. In langsamem Tempo gleiten Pawels neue Schlittschuhe, er selbst. Er ,,fliegt`` über das Eis.
Der übliche Entwicklungsgang eines Musikvideos beruht auf der visuellen Umsetzung einer Musik. Ein eher unkonventioneller Ansatz ist daher die Umsetzung eines reinen Textes. Doch gerade Texte wie der ,,Dekalog`` eignen sich hervorragend dafür. Eine Emotionalität, die im besten Fall beim Leser eintritt kann audiovisuell umgesetzt werden.
Um den Text richtig zu fühlen, sollte am Anfang ein Verständnis stehen. Viele Philosophen streiten sich zwar über den Weg Kunst zu empfinden (vgl. Kurs 7.4), doch gerade dieser Text kann dadurch zu einer ungeahnten Wirkung kommen. Die im Text hervorgehobenen Stellen beschreiben die zentralen Elemente. Zunächst wird die Atmosphäre beschrieben. Es folgt die Handlungs- und Symbolebene. Dabei muss noch ergänzt werden, dass das Wort ,,Dekalog`` aus dem griechischen übersetzt soviel bedeutet wie ,,10 Worte``. Dies ist eine klare Verbindung zu den 10 Geboten des alten Testaments. Damit wird die Weisung des Vaters zu einem Gebot, und die Antwort des Sohnes, stellvertretend für die Menschheit, zu einer Annahme des Gebots. Als letztes kommt dann ein völlig neuer Teil, eine beinahe träumerische Fortsetzung der Handlung, in der ebenfalls dir beschriebene Moment im Vordergrund steht.
Allein vom Lesen her kommen bestimmte Symbole sehr stark in den Vordergrund. Am Anfang fallen die Schlittschuhe und die grellen Lichtsymbole stark aus der Atmosphärenbeschreibung heraus. Daher kommt ihnen schon eine besondere Bedeutung zu und sie verweisen auf den dritten Teil auf dem Eis. Der Teddybär als Symbol für Kindlichkeit und Unschuld spiegelt die gesamte Atmosphäre in einem Objekt wieder. Er sagt zudem etwas über den Charakter Pawel aus, weil er in seiner kindlichen Naivität den Bär als schlafend beschreibt. Der Umstand, dass der Bär schläft, bietet auch den Übergang in die träumerische Atmosphäre des dritten Teils.
Die Bilder, die zu diesem Text assoziiert werden, sind nun natürlich subjektiv. Doch die objektive Analyse kann einen Halt bieten, damit man sich nicht zu weit von dem Text entfernt. Zunächst können wir eine eher klassische Situation schaffen, die, wenn sie zu übertrieben inszeniert wird, schnell kitschig wirken kann.
Ein warmes, schwach erleuchtetes Zimmer. Vertrauensvolle und weiche Atmosphäre. Vorsichtig betritt ein Mann das Zimmer. Die Symbole werden deutlich dargestellt. Lange Bilder, weiche Schnitte. Ganz leise können Geräusche wie knarrendes Holz hörbar sein, dass unter den Füßen von Krzysztof tönt. Kontraste können besonders durch Lichtverhältnisse dargestellt werden. Dann folgt ein sehr langer Übergang in den letzten Teil. Eine Schwarz-Grau-Weiß Blende sollte den gewünschten Effekt bringen. Auch die Musik sollte sich mit dem Übergang ändern.
Als Musik zu diesem Konzeptansatz habe ich für die ersten Beiden Teile das Lied Daughter von der Gruppe Rosenfels ausgesucht. Der dritte Teil kann dann durch die letzte Passage des Liedes Clubbed to Death von Rob D begleitet werden.
Der Ansatz, eine Neuauflage der 10 Gebote in einer Übertragung auf die gegenwärtigen Verhältnisse zu schreiben, wirkt auf mich mit einer besonderen Moderne. Gerade dieser Ansatz sollte auch in dem Musikvideo aufgegriffen werden. Deshalb kann ein etwas moderneres Konzept mit einer Abstraktion arbeiten.
Es sollten nun besonders die Symbole benutzt werden. Die Handlung sollte sich ganz der dargestellten Ebene lösen und eher durch Bilder verdeutlicht werden. Für mich gehört unter anderem die Gewichtung des Wortes dazu. Texteinblendungen und schnelle Einblendungen der Symbole sollten dem Zuschauer verdeutlichen, worum es geht. Gerade die träumerische Fortsetzung sollte einen dramatischen Touch bekommen, da der Leser auch ein Unglück voraussehen kann. Die Emotionalität könnte auch durch Schwarz/Weiß Sequenzen kenntlich gemacht werden. Auch die Abstraktion sollte dennoch den harten Schnitt zum dritten Teil durchführen.
Als Musik habe ich zum einen I can't Move von Everlast gewählt für die beiden ersten Teile und für den dritten wiederum Clubbed to Death von Rob D.
Das Video zu Keep Close von South zeigt teilweise Elemente, die zu der Atmosphäre und dem Text von ,,Dekalog`` sehr gut passen.
Oftmals werden Wörter aus dem Text eines Liedes im Video eingeblendet (z.B. in Music von Madonna). Die Konzepte mancher Videos, wie Time von Prince oder The Child von Alex Gopher, basieren fast ausschließlich auf dieser Idee.
Ähnlich wie Thomas behandelte auch Carina ein Gedicht und dessen filmische Umsetzung.