Codes bilden nicht nur in der Sprache die Basis für Kommunikation. Auch in der Welt des Bildes sind sie die Vermittler von Informationen. Der Betrachter ist auf diese Systeme von Erwartungen angewiesen, weil er sonst die Nachricht nicht verstehen wird. So kann die Kommunikation nur stattfinden, wenn sich der Sender dieser gesellschaftlich festgelegten Regeln, der Codes, bedient. In den Codes werden Gegenstände auf Zeichen reduziert, die Analogien und Übereinstimmungen zu den Objekten bilden, und somit vom Zuschauer identifiziert und wiedererkannt werden können. Auch wenn die Codes in einem Bild nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind, so sind sie doch immer vorhanden. Die Gegenstände können in Codes durch gesellschaftliche Regeln, Normen und Werte oder auch Gewohnheiten, die jeder Mensch in sich trägt, wiedergegeben und wiedererkannt werden. Dadurch, daß sie von Gesellschaft und Konventionen abhängig sind, sind sie auch wandelbar, können stärker oder schwächer sein und zeitweise auch ganz verschwinden. Werden diese Codes bei der ästhetischen Nachricht ungewohnt kombiniert, so steigt der Anspruch der Identifikation. Die Möglichkeiten der Betrachter, einen Code zu entschlüsseln, müssen sich ändern. Dadurch wird die Nachricht höchst informativ. Doch wenn man die Codes eines Bildes berücksichtigt, die Codes erkennt, die einem Bild zugrunde liegen und sozusagen ihr Grundgerüst bilden, so kann man auch feststellen, wo die Erfindung des Künstlers beginnt. Nur wer die Ebene des Codes erkennt, kann in die Aufdeckung der erfinderischen Akte übergehen. Das heißt auch, dass der Code bis zu einem bestimmten Grade immer respektiert werden muss, da bei einer zu hohen Verletzung des Codes keine Kommunikation entsteht, sondern nur ,,Geräusch``.
Die Ähnlichkeit des Bildes mit der Wirklichkeit wird ikonisches Zeichen genannt, wobei das Zeichen einige Eigenschaften des dargestellten Objektes besitzen muss. Dabei stellt das ikonische Zeichen in seiner Bedeutung nicht nur ein einzelnes Wort dar, sondern eine gesamte Aussage. Es vermittelt beispielsweise nicht nur die Information ,,Pferd``, sondern mindestens ,,stehendes, weißes Pferd im Profil``. Auch die Wahrnehmungsverhältnisse spielen bei der Einordnung und Identifizierung des Objektes eine große Rolle.
Der filmische Code lässt sich in mehrere Teile untergliedern. Als erstes wäre da der Wahrnehmungscode, der die Verhältnisse für eine hinreichende Wahrnehmung festlegt. Er bildet sozusagen die Grundlage für das Bild. Als zweites gibt es die Erkennungscodes, die uns helfen, ein Objekt wahrzunehmen und uns an schon einmal wahrgenommene Objekte zu erinnern. Sie bilden die Zusammenhänge von Wahrnehmungsverhältnissen zu Bedeutungszusammenhängen. Der Zuschauer assoziiert z.B. weißes Fell mit schwarzen Streifen mit einem Zebra. Die tonalen Codes begleiten und untermalen andere Codes, der Betrachter kann z.B. ein Rauschen als Wind identifizieren, wodurch das Bild mehr Aussagekraft hat. Durch die Variation des ikonischen Codes wird es möglich, ein Objekt genauer einzuordnen, man sieht z.B. durch entsprechende Requisiten nicht nur, dass es sich in dem Bild um einen gewöhnlichen Mann handelt, sondern um einen Monarchen.
Die Codes des Geschmackes und der Sensibilität legen die konnotative Bedeutung eines Zeichens fest. Der Betrachter kann mit einem griechischen Tempel auch die Wörter ,,Antike``, ,,harmonische Schönheit`` oder ,,griechische Baukunst`` assoziieren. Diese und weitere Codes helfen dem Zuschauer, Informationen wahrzunehmen und zu entschlüsseln. Der Künstler kann die Codes gezielt einsetzen, um bestimmte Wirkungen zu erzielen.
Im Anschluss hörten wir das Referat von Fabian, das sich mit den Gegebenheiten am Setting und der Beziehung zwischen Regisseur, Schauspieler und Kameramann befasst.