,,Die Funktion`` einer im Film eingesetzten Musik ist Norbert Jürgen Schneider zufolge schwierig ein-deutig zu erkennen und festzulegen, da Musik die Kraft hat, stets mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen. Das bedeutet, dass schon ein einziges im Film eingesetztes Musikstück oder Lied eine so starke und vielfältige Wirkung auf seinen Hörer haben kann, dass es gleich mehrere Ziele erreicht, die in der Regel untrennbar miteinander verwoben sind.
Wichtig für den Einsatz von Filmmusik ist laut Schneider das richtige Verhältnis zwischen illustrativer, also an die Handlung gebundener und kontrapunktischer, von der Handlung losgelöster Musik. Das Ideal ist, wie Johannes Schaaf zitiert wird, ,,den Inhalt ausdrücken, aber nicht den Bildvorgang illustrieren``.
Schon bei aufmerksamer Betrachtung des Filmes James Bond jagt Dr. No sind einige Beispiele für den Einsatz von Filmmusik deutlich erkennbar. Hier wirken sowohl das Bond-Thema als auch die jamaikanische Musik im Vorspann formbildend, da sie im weiteren Verlauf des Filmes immer wieder auftauchen und sich als ,,roter Faden`` durch die Handlung ziehen. Eine ganz besondere Funktion hat das Lied Underneath the Mango Tree, das stets aus dem ,,on``, also aus sichtbarer Musikquelle, ertönt. Kurz vor einem Mordanschlag auf Bond ist es aus dessen Autoradio zu hören, später legt er eine Schallplatte des Stückes auf, während er einem Killer auflauert. Das Lied weist somit immer auf nahende Gefahr hin und stellt Verbindungen zwischen den entsprechenden Szenen her.
Durch den starken Gegensatz dieses harmlosen und naiven Liedchens zu den brutalen Handlungen, die es einleitet, kann ihm auch eine kommentierende und kontrastierende Wirkung zugeschrieben werden. Besonders gute Beispiele dazu sind auch die ausgelassene karibische Tanzmusik, die im Hintergrund spielt, während Bond und Co. eine gegnerische Spionin stellen und die Triumphmusik, die den Raketenstart im Fernsehen begleitet, während Dr. No.s Zentrale am Ende des Filmes zerstört wird.
Bei gezieltem, lautem Einsatz kann Musik besondere Aufmerksamkeit auf bestimmte Szenen - in ,,James Bond`` sind es für gewöhnlich die Action- und Prügelszenen lenken. Sie setzt somit Ausrufezeichen und signalisiert, dass nun etwas Besonderes geschieht. In diesem Fall ist die Musik in der Regel handlungsbezogen, also ,,passend`` zum jeweiligen Inhalt der Szenen.
Dasselbe gilt für die musikalische Abbildung von Atmosphären oder Gefühlen. Als Bond eine Giftspinne in seinem Bett entdeckt, gibt die Musik seine sich steigernde Angst und Anspannung so eindringlich wieder, dass der Zuschauer in eine ähnliche Stimmung versetzt wird.
Weitere Zielfunktionen sind...
Zunächst kommt es auf die Art des Filmes an: Hat er eine konkrete Handlung (z.B. Actionfilme), so dient Musik lediglich zur Untermalung. Bei abstrakteren Filmen sind an sie höhere Ansprüche gestellt, da sie hier als gleichberechtigtes dramaturgisches Mittel eingesetzt wird.
Auch muss abgewogen werden, wie stark der Einsatz von Musik in einem Film überhaupt sein soll. Grundsätzlich empfiehlt dazu Norbert Jürgen Schneider: ,,Weniger ist oft mehr``.
Zusätzlich kann durch entsprechende Musikregie der Grad der Auffälligkeit eines Stückes im Film festgelegt werden. Die Musik kann also hintergründig und unauffällig eine Szene begleiten oder klar als Filmmusik erkennbar in den Vordergrund treten.
Grundlegend bleibt die Überlegung, welche Intentionen die im Film eingesetzte Musik verfolgen, also was sie beim Betrachter des Films auslösen soll, kann und will.