Das Musikvideo genießt eine hohe mediale Präsenz. Aufgrund seiner Schnelllebigkeit, aber auch seiner umstrittenen Existenzberechtigung im musikwissenschaftlichen Diskurs sind ihm erst vergleichsweise wenige untersuchende Arbeiten gewidmet. Erstaunlicherweise, denn aufgrund seines jugendlichen Alters eröffnet sich in der Auseinandersetzung mit diesem Thema eine Welt, die mehrere künstlerische Bereiche in sich vereint und gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt. Den Musikvideos zugrunde liegt der Versuch, eine synästhetische Verbindung zwischen Auge und Ohr zu schaffen. Darüber hinaus sind sie Träger kultureller Werte und Vorstellungen. Als solche sind sie in ihrer Beurteilung oftmals nicht wertfrei. Die Schaffung objektiver Kriterien zur Untersuchung eines Musikvideos ist unumgänglich. Die Musikvideoanalyse sowie die Klassifizierung erfolgt nach Modellen, die wiederum den Strömen des Zeitgeistes unterworfen sind.
Im Kurs wurden verschiedene Analyse- und Klassifizierungsmodelle vorgestellt und bewertet. Über den gesamten Zeitraum hinweg wurden von den Teilnehmenden eigenständige Analysen durchgeführt und in der Gruppe zur Diskussion gestellt. Am Beispiel der Musiksender MTV und VIVA wurde die Rolle des Musikfernsehens veranschaulicht: Zensor oder Pusher, Initiator oder Absatzförderer? Wer sind die Macher, wer die Konsumenten? Die Reflexion ausgewählter Konzepte, deren bildliche Gestaltung und Bildsprache, verbunden mit praktischen Übungen, bereiteten den Weg für die Planung eines eigenen Musikvideos. In diesen Rahmen wurde auch die Auseinandersetzung mit Teilbereichen der Videoproduktion - Kamera und Schnitt - eingebunden. Die Teilnehmenden fertigten in Gruppen ein ausführliches Storyboard für ihr eigenes Video auf Grundlage eines ausgewählten Songs/ Musikstückes. Es folgte die Produktionsphase mit Drehtagen und der Postproduktion im Schnitt. Am Ende des Kurses stand die Präsentation der Musikvideos und der Austausch über Vorgehensweisen und etwaige Probleme bei der Produktion.