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Retrospektive

Anna Poimann ,Beatrice Weisenstein

Am Anfang waren die Wörter ,,Körper-Rede-Geist``. Doch was kam danach?

Keiner wusste so richtig wie, ihm wirklich geschah, als er zum ersten Mal, mit 15 anderen ,,Interessenten``, unseren zukünftigen Kursraum, den kleinen Ballettsaal im Kloster Rossleben betrat. Einige freuten sich auf zweieinhalb Wochen entspannende Yoga Übungen, andere machten schon Pläne, die gewonnenen Ergebnisse bestmöglich zu analysieren, und wieder andere hatten wirklich keinen blassen Schimmer, was in der nächsten Zeit alles auf sie zukommen würde.

Eins war jedoch klar, ,,wir machen das Beste draus` Und als sich dann nach und nach herausstellte, dass auch unser Kurs-Motto: ,, Mut zum Scheitern`` bestens zu unseren Erwartungshaltungen passte, konnte doch schon gar nichts mehr schief gehen! So trafen dann im Verlauf des Kurses doch recht viele unterschiedliche Meinungen aufeinander, viele Einstellungen wurden schlicht über den Haufen geworfen, um nach endlosen Diskussionen doch wieder vertretbar zu werden, und im Grunde herrschte meistens reges Chaos!

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{\small Abb. 1: Quitscheentchen}
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Abb. 1: Quitscheentchen

Doch gerade dieses Konzept des ständigen Rekonstruierens von Erwartungen gehörte somit genauso zum Kursthema wie die zuvor erwähnten Evolutionstheorien, das Vier-Quadranten- Modell und die Integration von Schatten und Person. Um sein eigenes Ich zu schulen und sein inneres Gewahrsein beeinflussen zu können, bedarf es nämlich einer gewissen Grundhaltung, die nicht von Anfang an bei jedem Menschen vorausgesetzt werden kann. ,,Offen sein``, ,,sich auf etwas einlassen`` und ,,hinter die Fassade schauen`` sind Sätze, die diese Zustände bzw. Einstellungen wiederspiegeln sollen, die als Grundlage für eine optimale Kursarbeit vorhanden sein sollten. Denn so ist es möglich die Interdependenzen der drei Begriffe Körper, Rede und Geist zu erkennen und zu erleben. Denn nicht nur das Ausarbeiten der theoretischen Fakten und die Ausführung der damit verbundenen praktischen Übungen sind Grundlagen unseres Kursthemas, sondern auch die Selbsterkenntnis.

Durch die täglichen Yoga- und AT-Sequenzen am Anfang des Kurstages wurden sowohl die Gemüter erfrischt und gut gestimmt als auch, wer sich denn darauf einlassen wollte, ein paar Blicke ins Innere des Selbst gewährt. Es war also möglich, die in der Theorie besprochenen Körper-Geist-Beziehungen selbst praktisch zu erkunden. Hier kommt es vor allem darauf an, die zur Gewohnheit gewordenen Meinungen fallen zu lassen und neue Grenzen zu überschreiten; jeder in seinem individuellen Maß. Die Brücken zwischen Körper, Rede und Geist wurde so nicht nur auf dem Papier gebaut, sondern auch in der Erfahrung. Erfahrungen von Yoga und Autogenem Training als persönliches Erlebnis machten jedem einzelnen nach und nach eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis deutlich: Körper und Bewusstsein als eine Einheit, als etwas Ganzes, anzusehen und wahrzunehmen.

Obwohl man beim Yoga zunächst scheinbar nur auf körperlicher Ebene ansetzt, erlebte jeder auf individuelle Art und Weise eine Wirkung auf der Bewusstseinsebene: eine Neuentdeckung des inneren Gewahrseins. Einerseits die Erfahrung, sich jeden Tag Zeit für sich selbst zu nehmen und dabei eine wohltuende innere Ruhe zu verspüren, wobei es sehr wichtig war Denkstrukturen wie ,, Ich muss..`` und,, Ich will aber....`` zu ignorieren. Andererseits war es neben der einfachen Entspannung möglich, sich während der Ruhephase selbst zu beobachten, um dadurch ein neues Körperbewusstsein zu erlangen.

Das tägliche ,,Nett-zu-sich-sein`` setzte in vielen verborgene Energie frei, die sich nach und nach auf die Kursatmosphäre übertrug. Dadurch, dass man sich zunächst mit dem eigenen Gemütszustand befasste und es sich gut gehen ließ, wurde eine offene und positive Einstellung zur Arbeit gefördert. Die Aufnahmefähigkeit wurde so durch das abwechslungsreiche Konzept des Kurses gesteigert. Auch die zunächst als seltsam empfundene Teilung in Praxis und Theorie reduzierte sich mit jedem Tag, und die Zusammenhänge und Verbindungen kristallisierten sich nach und nach heraus. Insofern hat sich der Kurs inklusive Teilnehmern im wahrsten Sinne des Wortes ,,entwickelt``, sowohl was die Gruppe und jeden einzelnen angeht, aber auch was das Eintauchen und Analysieren von Ken Wilber's ,,Integraltheorie`` sowie Don Beck's ,,Spiral Dynamics`` betrifft.

Der Theorieanteil und dessen Inhalte haben sich besonders in der zweiten Woche gesteigert und wurden komplexer. Komplizierte Zusammenhänge wurden in Gruppen erarbeitet, anschließend diskutiert und führten schließlich zu einem selbst-zusammengestellten Überblick. Da die Grundlagen nun deutlich waren, wurde anhand der Theorien weitergearbeitet, um deren Tragweite und ,,Fähigkeit`` zu ergründen. Um Vergleiche, mögliche Ähnlichkeiten oder Ansatzweisen aber auch Kritik feststellen zu können, befassten wir uns mit verschiedenen Textauszügen von Autoren wie Fritz Simon, Daniel Goleman, Fritz Perls oder Niklas Luhmann. Daniel Golemans ,,Emotional Intelligence`` befasst sich beispielsweise , wie der Titel bereits verrät, mit der Gefühlswelt, bestimmten Verhaltensweisen und Zugänglichkeit zu diesen.Er veranschaulicht jeden Aspekt mit kurzen einführenden Geschichten, die ein Problem auf leichtverständliche Weise aufgreifen, das er anschließend analysiert, zum Beispiel die unterschiedlichen Gefühlsrealitäten von Mann und Frau. Goleman legt jedoch nicht allein seine Theorie dar, sondern stützt diese auf Studien, Statistiken und Versuche, womit die Wissenschaftlichkeit seiner Arbeit klar zum Ausdruck kommt. Auch Einblicke in Niklas Luhmanns Systemtheorie, die Abweichungen von konventionellen Denkstrukturen erfordert, erwiesen sich als besonders interessant. Hierzu wurden im Kurs zunächst einmal Grundzüge und grundlegende Begriffe geklärt, um dann auf deren Basis argumentieren und vergleichen zu können. Diese Vielfalt von Theorien und Systemen ermöglichte uns allen eine kritische, tiefgehende Auseinandersetzung mit Kursinhalten und schulte zugleich die Arbeit mit Vergleichstexten eines wissenschaftlichen Niveaus.

Im praktischen Teil konnten Kursinhalte wie Improvisationstheater und Kommunikationsübungen ungezwungen und in einem konstruktiven Kursklima durchgeführt werden. Die sogenannte Hemmschwelle, die bei Präsentationsübungen wie diesen häufig sehr hoch ist, war schon nach kurzer Zeit gefallen und Spontaneität bzw. Kreativität konnten zum Vorschein kommen. ,,Man kann sich hier frei bewegen und braucht keine Angst zu haben ausgelacht zu werden. Es macht sogar richtig Spaß, mal aus sich herauszugehen und in eine ungewohnte Rolle zu schlüpfen` So ein Teilnehmer, der Anfangs Zweifel an der Selbstdarstellung durch Improvisationstheater hatte!

Außerdem wurde aber durch die neugewonnene Erkenntnis nicht nur das Kursklima entscheidend geprägt, sondern vor allem auch der interne Zusammenhalt. Viel kursübergreifende Zeit wurde genutzt, um zusammen zu arbeiten, neue Erkenntnisse auszutauschen, zu diskutieren oder einfach Spaß zu haben. Das Feedback dieses Zusammenhalts wurde dann auch prompt geliefert. Man mag zwar daran zweifeln, ob der erste Platz beim Akademie-Volleyball-Turnier auf das gute Verhältnis in der Gruppe zurückzuführen ist oder ob es letztendlich doch die guten Leistungen der Spieler waren, die den Gewinn einbrachten. Eins steht dennoch fest, die Siegerfeier hat sich gelohnt!

So konnte sich nicht nur jeder einzelne mit dem neuen Selbstgefühl identifizieren, sondern die gesamte Gruppe. Auch das ungezwungene gute Verhältnis zu den Kursleitern trug einen großen Teil zum Gesamtverlauf dieser zwei Wochen bei. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die uns die beiden mit auf den Weg gegeben haben, werden sicherlich auf verschiedene Weisen Anstoß sein und weiterleben.

Abschließend kann man sagen: Jeder hatte die Chance sein Individualbewusstsein neu zu entdecken und etwas für sich mitzunehmen, gleichermaßen seine sozialen Kompetenzen auf spielerische Weise zu schulen und einfach zwei schöne Wochen miteinander zu erleben.

Eine bereichernde Zeit.....


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