Das Wesen des Hatha-Yoga besteht in seinen Grundzügen in der Schaffung eines Integrationsvermögens, welches nicht darauf abzielt, die Dualität zwischen Geist und Körper aufzuheben, wohl aber ein Verständnis für den wechselseitigen Zusammenhang beider hervorzubringen. Der Atem spielt bei dieser Integration die zentrale Rolle insofern, als er eine Vermittlerfunktion zwischen dem Geistigen und dem Körperlichen übernimmt. Mit Hilfe der sogenannten Schmelzatemtechnik, bei der die Atemluft bzw. eine visuelle Vorstellung davon (in Form von Wärme oder Licht) fiktiv auf Muskelspannungen gelenkt wird, um diese mit dem Ausatmen zu lösen, ist es möglich, in einen Dialog zwischen Körper und Geist einzutreten. Der Atem offenbart sich also als verbindendes Glied, als Brücke zwischen Materiellen und Immateriellen und wird somit zum kommunikativen Element, zur dialogischen Rede. Man könnte das Hatha-Yoga auch als einen dynamischen Prozess beschreiben, der durch die Verbindung von Geist und Körper ein ,,inneres Gewahrsein`` entstehen lässt. In diesem Sinne koordiniert der ,,Yoga-Prozess`` das wechselseitige Verhalten der beiden Komponenten Körper und Geist, wird also selbst zur Kommunikation in dialogischer Form. Das bedeutet, dass das Wesen des Hatha-Yoga mit der Methode, welcher es sich bedient, übereinstimmt.
So spiegelt sich beispielsweise das Überwinden einer körperlichen Blockierung während einer Übung im geistigen Loslassen einer mentalen Blockierung wieder. Was mental verdrängt wird oder mich emotional längere Zeit berührt (wodurch es zur geistigen Angewohnheit wird), manifestiert sich im Bereich der Muskeln, d.h. körperliche Spannungen können korrespondierend zu emotionalen Spannung sein. Das Verbinden dieser inkohärenten Bereiche gelingt durch Assoziationen und Gefühl, die im Zustand des Blocks und seines Lösens auftreten. Dieser Prozess des Loslassens und Überwindens ermöglicht dem individuellen Bewusstsein eine gesteigerte Flexibilität und damit auch eine geistige Evolution, die auf verschiedenen Entwicklungsebenen (kognitiver, emotionaler, moralischer, spiritueller und interpersonaler) stattfindet. Und eben diese beiden Aspekte des Integrierens und des Evolutionären sind Grundgedanken der Theorien von Don Beck und Ken Wilber.
Da das Wertmemmodell ,,Spiral Dynamics`` auf dem 4-Quaranten-Modell beruht, kann es nicht nur von der kollektiven Innensicht beterachtet werden, sondern auch von der individuellen, d.h. dass auch der Einzelne sich in einer lebenslangen Entwicklung von Wertmem zu Wertmem befindet, diese auch gleichzeitig auftreten und somit innere Konflikte verursachen können. Der unflexible Geist hat Schwierigkeiten z.B. mehrere Wahrheiten zu akzeptieren, weil seine Weltsicht auf ein bestimmtes Wertmem fixiert ist, das kein Integrationsvermögen für mehrere Wahrheiten besitzt.
Genau an diesem Punkt setzt aber nicht nur das Hatha- Yoga an, sondern auch das Improvisationstheater (kurz: Impro), ein weiterer praktischer Bestandteil des Kurses ,,Körper - Rede - Geist``. Jede Spielszene dieser Kommunikationsform entsteht intuitiv, spontan und nimmt teilweise absurde Züge an. Wer sich jedoch mit ,,Mut zum Scheitern`` darauf einlässt, erfährt auch hier die Möglichkeit, seinen Geist flexibler zu gestalten. Darüber hinaus gibt es im Impro gewisse Regeln, die diesen Umstand fördern. So gebietet der einzuhaltende ,,positive Grundton`` beispielsweise, dass jede Äußerung und jede Handlung einen konstruktiven Charakter tragen muss, so dass das Gegenüber die Idee annehmen, weiterentwickeln und ebenso konstruktiv zurückgeben kann. Des Weiteren erfährt auch der Beteiligte selbst etwas über sich und seine Persönlichkeit, genau wie beim Hatha -Yoga, denn im Improvisationstheater spricht man nicht nur mit seinem Gegenüber, sondern letztlich auch mit sich selbst, nur wird hier das Gespräch mit der eigenen Persönlichkeit durch das Gespräch mit jemand anderem hervorgerufen. Man könnte es etwa so formulieren : Improvisationstheater ist eine Form der Kommunikation, in der mittels Aufmerksamkeit, Konzentration und dem Aufnehmen und persönlichen Weiterentwickeln von Ideen bestimmte Kommunikationsmuster entstehen, bei denen jeder Schauspieler einen frei gewählten oder durch seine Rolle determinierten Teil seiner Innenwelt veräußerlicht. In anschließenden Feedback - Runden kommt es dann zur ,,Kommunikation über die Kommunikation`` und somit zu einer bewussten Reflexion über die eigene Person, den eigenen Geist.
Was bedeutet dies nun in der Anwendung auf den theoretischen Teil? Nun, sicherlich erleichtert das Erlernen eines ,,sich- darauf-Einlassens`` ungemein das Verständnis für die ,,Integrale Theorie``, bei der das Herstellen von Zusammenhängen und das Erkennen von Interdependenzen und Korrelationen im Vordergrund steht. So wird beispielsweise jede Stufe des Spiral- Dynamik- Modells, ebenso wie jeder Bereich im 4-Quadrantenmodell, als gleichwertig angesehen, da er ganz im Sinne eines positiven Grundtons, konstruktiv zum Ganzen beiträgt. Nicht zuletzt lässt sich anhand der Selbstreflexion das Wertmemmodell auch auf die eigene Persönlichkeit anwenden. Sowohl das Hatha-Yoga, als auch das Improvisationstheater dienen also der Entwicklung des eigenen Bewusstseins. Sie sind sozusagen Methoden, die auf das Bewusstsein des Einzelnen zurückgreifen, um experimentell Informationen über sich selbst zu erhalten. Im Austausch mit anderen können dann sogar noch die individuellen Erkenntnisse differenzierter betrachtet werden.