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A. C. Danto, ,,Die Verklärung des Gewöhnlichen``

Dana Bergmann

Der amerikanische Philosoph und Kunsttheoretiker Arthur C. Danto wurde 1924 in Ann Arbor/ Michigan geboren. Er hat es zu einem generellen Prinzip seiner philosophischen Arbeit gemacht, die begrifflichen Differenzen, auf die es ihm ankommt, an Beispielen zu erarbeiten, bei denen - im Idealfall bis zur völligen Ununterscheidbarkeit - identische Paare von Phänomenen gegenübergestellt werden, die eigentlich unter grundverschiedene Kategorien fallen.

In seinem Essay ,,Die Verklärung des Gewöhnlichen`` (32) beschäftigt er sich vor allem mit der Frage, was ein Ding zu einem Kunstwerk macht und inwieweit der Titel eines Kunstwerks seine Identifikation und folglich auch Interpretation beeinflußt.

Danto arbeitet sehr beispielorientiert, er zieht u.a. Breughels Gemälde ,,Der Sturz des Ikarus``, Michelangelos ,,Pietà Rondanini`` oder Raffaels ,,Der Brand in Borgo`` zur Betrachtung heran.

Besonders aussagekräftig ist jedoch ein Gedankenexperiment über die Künstler J. und K. (verkörpert werden das erste bzw. das dritte Newton'sche Gesetz), welches daher auch einen besonderen Stellenwert einnimmt (33).

An deren optisch völlig identischen Kunstwerken wird veranschaulicht, in welchem Maße ein Werk durch die Wahl seines Titels eine kontextuelle Veränderung erfährt (34).

Nach Danto stellt der Titel eine Richtungsangabe für die Identifikation einzelner Bildelemente dar (hier z.B. der mittleren Linie einmal als Grenze zwischen zwei Massen, zum anderen als ,,Bahn eines isolierten Partikels`` (35)), aus der sich wiederum weitere, von der ersten abhängige und somit veränderliche Identifikationen ergeben.

Dabei definiert er ,,künstlerische Identifikation`` als ,,logischen Angelpunkt, an dem ein bloßes Ding in das Reich der Kunst erhoben wird`` (36). Deren sprachliche Darstellung sei ein bestimmter Gebrauch von ,,ist`` (z.B. wenn man von einem Farbtupfer sagt, er sei ein Ball). Es sei daher eine gewisse Bereitschaft, buchstäbliche Falschheit einfach hinzunehmen, vonnöten.

Man ist gewillt, die durchaus logisch ausgeführte Theorie Dantos anzunehmen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob und inwieweit man ein Kunstwerk nicht einfach sich selbst überlassen kann.

Ist es z.B. bei naturalistischer Kunst nicht belanglos, ob ein Titel eine bestimmte Art der Betrachtungsweise bereits vorgibt? Bedeutet nicht vielmehr, daß das ,,Vorsetzen`` des Titels und somit einer bestimmten Richtung der Interpretation den Betrachter zur Bequemlichkeit verführt?

Weiterhin wäre es interessant zu untersuchen, ob seine Theorie überhaupt auf alle Arten von Kunstwerken anwendbar ist. Betrachten wir beispielsweise Werke ohne Titel. Würde Interpretation hier unmöglich?

Dies kann verneint werden, denn Danto zufolge bedeutet, einem Werk keinen oder einen neutralen Titel zu geben, nur eine Verzerrung der Interpretation. Wichtig ist dieser Punkt insofern, da Kunstwerke ihren Status dadurch erhalten, daß sie auf der Grundlage von Kunsttheorien als solche interpretiert werden.

Auch halte ich es für schwierig, Interpretation allein vom Titel her erreichen zu wollen. Man stelle sich beispielsweise ein abstraktes Kunstwerk, bestehend aus einer Anzahl scheinbar willkürlich gesetzter Linien, vor. Würde an dieser Stelle ein Titel wie ,,Das Leiden Christi`` Identifikation ermöglichen? Sei es ein fremdsprachiger Titel: Würden Betrachter, die die betreffende Sprache nicht sprächen, das Werk allein aufgrund des Vorhandenseins eines Titels als Kunst bezeichnen? In der Frage der künstlerischen Interpretation spielen mit großer Sicherheit auch Erfahrungshintergründe eine große Rolle, da die Symbolik und damit das Kunstverständnis von Kulturkreis zu Kulturkreis differieren.

Dies sind einige Fragen, mit denen sich der Leser auseinandersetzen sollte.


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