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Aus der Kursbeschreibung

Michael Hoppe, Frank Jung

Europa gestern, heute und morgen. Was steckt dahinter? Das Gemeinsame Haus Europa ist ein großes Wort, und jeder möchte zumindest ein Zimmer, viele eine Wohnung darin. Doch ohne eine nähere Definition bleibt dieses Haus ein Rohbau, in dem auch die größte Wohnung nackt und kalt bleibt. Für den Kurs soll Europa nicht rein geographisch, sondern anhand von vorhandenen Organisationen definiert werden.

Europa, das ist natürlich zum einen die Europäische Union. Ihr Gestern, das sind ihre Anfänge in der Montanunion und den Römischen Verträgen. Ihr Heute, das ist das Europa der Fünfzehn, und ihr Morgen, das ist eine nach Osten und Südosten erweiterte Union. Europa, das ist aber auch eine Wertegemeinschaft, die sich den Schutz der Menschenrechte zum Ziel gesetzt hat. Wenn von diesem Europa gesprochen wird, denkt man an den Europarat mit seinen nun schon 41 Mitgliedsstaaten und an die Menschenrechtskonvention, deren oberste Hüter in Straßburg sitzen. Schließlich ist Europa auch und gerade eine Idee, die es schon weit vor der Gründung dieser Institutionen gab.

Der Kurs hatte sich zur Aufgabe gesetzt, zu untersuchen, ob es eine deutliche Antwort darauf gibt, was Europa zusammenhält und was die Integration vorantreibt. Sind es wirtschaftliche Interessen oder der Grundgedanke der Verteidigung der Freiheits- und Gleichheitsrechte? Baut das eine auf dem anderen auf oder stehen die beiden Aspekte doch eher neben- als miteinander? Was ist dran an dem oft beklagten Demokratiedefizit in der Union und wie könnte man ihm begegnen? Was sind die notwendigen institutionellen Reformen, über deren Umsetzung in Nizza heiß diskutiert wurde, um die Union fit für den Weg nach Osten zu machen? Wie soll der Post-Nizza-Prozess aussehen? Wollen wir langfristig ein Europa der Vaterländer oder ein Vaterland Europa? Wie stark sollen nationale Interessen vertreten werden? Wie kann eine Identifikation der Bürger der einzelnen Mitgliedsstaaten mit Europa erreicht werden? Was ist Europas Rolle in der Weltpolitik des 21. Jahrhunderts?

Die besondere Herausforderung des Kurses für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es, über Themen auf einem wissenschaftlich-abstrakten Niveau zu arbeiten, die ihnen aus dem allgemeinen tagespolitischen Geschehen bekannt sind. Sich diesen Themen einerseits aus Sicht der Rechts- und - weit überwiegend - aus Sicht der Politikwissenschaft zu näheren und diese Themen zu bearbeiten bedeutet, sich auf eine aus der täglichen Zeitungslektüre und auch aus der Schule unbekannte Fachterminologie einzulassen und sich mit theoretischen Modellen zu beschäftigen - auch etwas, was die Oberstufe der Gymnasien im Wesentlichen nicht zu vermitteln im Stande ist, was aber andererseits den Schwerpunkt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen Europa darstellt.

Die folgende Dokumentation war für die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der erste Versuch, selbstgestellte Fragen auf wissenschaftlichem Niveau zu bearbeiten und Lösungsansätze zu diesen Fragen zu entwickeln. Dieser verdient gerade unter Berücksichtigung des Umstandes besondere Beachtung, dass die zur Verfügung stehende Literatur naturgemäß stark begrenzt war, die Arbeitsbedingungen ebenfalls naturgemäß angesichts der vielfältigen Angebote einer Akademie und der wenigen Zeit für die Erstellung einer solchen wissenschaftlichen Arbeit als ausgesprochen stressig zu bezeichnen waren und es schließlich für die meisten der Autorinnen und Autoren eine neue Herausforderung darstellte, gemeinsam und gleichberechtigt im Team zu arbeiten. Geäußerte Meinungen stellen nicht unbedingt die des gesamten Kurses, sondern die der einzelnen, jeweils genannten Autorinnen oder Autoren dar.


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